Osteopathie Drucken

 

Sanft mit den Händen behandeln

Sie benutzen keine Instrumente, verschreiben keine Medikamente und wenn Osteopathen mit den Händen behandeln, glaubt manch ein Patient, sie würden die Hände nur sanft auflegen und auf Besserung warten. Doch dieses meist sanfte Berühren genügt, um mit den langjährig geschulten und extrem feinfühligen Händen in den Körper „hineinzuhorchen“, nach Funktionsstörungen zu suchen und diese zu behandeln.

Im Mittelpunkt der osteopathischen Untersuchung stehen Funktionsstörungen, die überall im Körper auftreten können. Sie zeigen sich dem Osteopathen in veränderten oder eingeschränkten Bewegungen einzelner Körperstrukturen. Funktionsstörungen stehen oft zu Beginn von Beschwerten oder Krankheiten. Der Körper versucht sie zu kompensieren. Kann er aber eine Kompensation nicht aufrechterhalten, treten Beschwerten auf oder es bricht eine Krankheit aus.

Rechtzeitig angewandt, kann die Osteopathie solche Beschwerden und Krankheiten vorbeugen. In der Osteopathie geht es darum, Korrekturen sanft hervorzurufen: der Therapeut unterstützt die Selbstheilungskräfte des Körpers.

Als eigenständige, manuelle Form der Medizin ist die Osteopathie vor knapp 140 Jahren in den USA entstanden. Heute kommt sie in der Prävention und Therapie unterschiedlichster Beschwerden zur Anwendung, z. B. bei Kopf- und Rückenschmerzen oder Verdauungsbeschwerden.

Unterteilung der Osteopathie (3 Hauptsysteme):

Strukturelle oder Parietale Osteopathie

Die Parietale oder Strukturelle Osteopathie ist der Bereich osteopathischer Behandlung der sich mit den Knochen, Muskeln, Faszien und Gelenken des Körpers befasst. Traditionell stellt die strukturelle Osteopathie die Basis osteopathischer Behandlung dar. Es werden verschiedene Behandlungstechniken verwendet um krankhafte Veränderungen des Muskel-Skelett-Systems zu finden und zu behandeln.

Cranio Sacrale Osteopathie

Das Cranio Sacrale System besteht aus Schädel (Cranium), Wirbelsäule und Kreuzbein (Sacrum). Das System, in dem sich das Gehirn und das Zentralnervensystem befinden, ist von Membranen (Dura mater) umschlossen, die in sich ein hydraulisches System der Gehirn-Rückenmarks-Flüssigkeit (Zerebrospinal-Flüssigkeit) einschließen, das rhythmischen Druckschwankungen unterliegt. Bei der Behandlung können mit den Händen Störungen im Cranio Sacralen System aufgespürt und ausgeglichen werden.

Viszerale Osteopathie

In der Viszeralen Osteopathie werden die inneren Organe (Viszera) direkt, sanft und oft mit schnellem Erfolg behandelt. Es wird dabei die Beweglichkeit der Organe zueinander und zu den sie einhüllenden oder stützenden Muskel- und Bindegeweben ertastet und behandelt. Diese Beweglichkeit wird als Mobilität bezeichnet. So können ligamentöse Anhaftungen der Organe mobilisiert, Verklebungen gelöst und gestaute Gewebe drainiert werden.

Neugeborne und Kinder

Ihre Vorzüge kommen vor allem auch Neugeborenen, Babys und Kindern zugute, bei denen Schwangerschaft, Geburt und das rasante Wachstum zu den vielfältigsten Funktionsstörungen führen können. So wird etwa bei einer natürlichen Geburt der Schädel des Kindes beim Durchtritt durch das Becken der Mutter um bis zu zwei Zentimeter zusammengedrückt. Das kann Blutergüsse verursachen und Wirbel blockieren. Zangen- oder Saugglockengeburten und ungeplante Kaiserschnitte können zu Asymmetrien, Hauptsächlich im Bereich des Hinterhauptbeins oder des oberen Halswirbelbereichs, führen. Kompressionen im Schädelbereich engen häufig die beiden Löcher an der Schädelbasis ein, durch die die Blut- und Nervenbahnen ziehen. Betroffen sind davon vor allem der Eingeweidenerv und der Zungen-Schlund-Nerv. Unbehandelt können solche Asymmetrien zu übermäßigen Schreien, Spucken, Blähungen, Schlafstörungen, Haltungsasymmetrien wie Schiefhals, übermäßige Erregbarkeit und innere Unruhe führen.

So ist bei Schreikindern häufig die Hirnhaut übermäßig gespannt. Kinder mit einer Drei-Monats-Kolik leiden hingegen oft an einer Einengung des Eingeweidenervs, der die Verdauung steuert. Bei Spuckkindern ist oft der Zungen-Schlund-Nerv in seiner Funktion beeinträchtigt. Ein Schiefhals wird oft durch einen eingeklemmten Hirnnerv ausgelöst. Doch bei allen Vorzügen ist die Osteopathie kein Allheilmittel. Sie kann vielfach Mittel der Wahl sein, oft begleitend helfen, aber auch in bestimmten Fällen nicht angezeigt sein. Ein Osteopath kennt aber seine Grenzen und weiß, wann er eine zusätzliche oder eine andere Therapie zum Wohle seines Patienten vorschlagen muss.

Gründer der Osteopathie: Dr. Andrew Tayler Still (USA)

Die Osteopathie wurde begründet durch den amerikanischen Arzt Dr. Andrew Taylor Still (1828-1917). Dieser stellte während seiner Tätigkeit als Mediziner fest, dass viele Erkrankungen mit einer Änderung der Beweglichkeit und Statik des Körpers einhergehen. Der Begriff Osteopathie leitet sich aus der Behandlung des Knochengerüstes (griechisch: „Osteon“) und die Erkrankung (griechisch: „Pathos“) ab. Heute betrachtet die Osteopathie nicht nur den Bewegungsapparat, sondern darüber hinaus auch die funktionellen Zusammenhänge mit den inneren Organen und dem Gefäß- und Nervensystem. Die Osteopathie ist nicht primär auf die Symptombehandlung konzentriert, sondern bemüht die Ursache eines Leidens festzustellen und zu behandeln. Sehr häufig wird dabei festgestellt, dass der Ort, an dem für den Patienten ein spürbares Problem auftritt, nicht mit dem Ursprung seines Leidens identisch ist.

 
Akzeptieren

Diese Website verwendet Cookies. Durch die Nutzung dieser Webseite erklären Sie sich damit einverstanden, dass Cookies gesetzt werden. Mehr erfahren